22. Mai 2017/ Berlin, Centre Marc Bloch

Kommentar: »Mit Müll denken«

zum Vortrag: »Vies d’ordures : Wie entsteht eine „Forschungs-Ausstellung?«/
»Vies d’ordures: comment se fabrique une exposition-recherche?«

von Philippe Tastevin (CNRS/ MUCEM, Marseille) mucem_affiche_viesdordures-e1491234276892

Die Ausstellung „Vies d’ordures“ zeigt, wie die Überreste der menschlichen Existenz gesammelt, getrennt, repariert und verwandelt werden, und eröffnet damit Einblicke in eine Welt des Tauschs und Handels, in der unsere Abfälle weitaus mehr sind als einfacher Müll. 450 Objekte, Filme, Karten und Modelle bringen eine kaum bekannte Ökonomie ans Licht…
Drei Jahre der gemeinsamen Reflexion liegen zwischen der anfänglichen Idee und der Präsentation für ein breites Publikum; drei Jahre der Debatten, des langsamen Herausarbeitens der Fragestellung und des Auswählens der „Exponate“. Drei Jahre auch, in denen unser Verhältnis zum Müll in Zusammenarbeit mit den verschiedensten Akteuren neu überdacht wurde: mit Forschern und Museografen, doch vor allem auch mit jenen, die tagtäglich mit Müll zu tun haben, vom Müllmann zum Ingenieur, vom Müllsammler zum Handwerker oder zum Recycling-Unternehmer. Sie alle haben wichtige, unentbehrliche Beiträge zur Reflexion geleistet.

Dieser Vortrag zeichnet einen kollektiven intellektuellen Entwicklungsprozess nach, der sich auf pluridisziplinäre „enquêtes-collectes“ (G.H. Rivière) in der Türkei, in Albanien, Ägypten, Italien, Tunesien, Marokko und im Südwesten Frankreichs zwischen 2014 und 2016 stützte. Wissenschaftliche und künstlerische Leitung haben fast von Anfang an Hand in Hand an der Vorbereitung dieser Ausstellung gearbeitet – ein im ethnografischen Ausstellungswesen ganz neuer Ansatz.

Presseheft der Ausstellung:
Dossier_Presse_Mucem_Ordures_EN

 

Viedorduresvideo